Archive for September, 2015

A violent tornado in mid-18th century Germany: the Genzmer Report

September 7, 2015
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Title vignette of the Genzmer Report 1765 depicting the “wedge-shaped” tornado.

250 years ago, German scientist Gottlob Burchard Genzmer (1716-1771) published a detailed study of a violent tornado event which hit the eastern part of today’s German federal state Mecklenburg-Vorpommern on June 29 1764. The report consists of a foreword and seven letters Genzmer wrote to the minister of Mecklenburg-Strelitz who asked him for a survey of the damage and the circumstances of this natural disaster. Genzmer started his research on August 30 and completed his work on December 18. The report was published in form of a book in 1765 including two copper plate illustrations by the author: one sketch of typical tree damage and a map of the tornado path. The title vignette depicts poorly the appearance of the wedge-type tornado at the lake shore near the city of Feldberg. Genzmer provides a detailed description of the tornado impact based on damage still visible as well as eye witness reports. With respect to the latter, he critically scrutinizes possible exaggeration and inconsistencies. This concerns particularly “incredible” damage such as large oaks stubs ripped off the ground.

Gottlob Burchard Genzmer (1716-1771) [Wikipedia, in German]

Digitalized version of the 1765 book [Bayerische Staatsbibliothek]

PDF transcript of the Genzmer Report [B. Feuerstein 2005, full text with figures, in German]

Poster about the Genzmer Report (1765) at ECSS 2015 (Wiener Neustadt)

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Besuch im Limburger Bischofshaus: Versailles oder Escorial? Ein Psychogramm der Maßlosigkeit

September 1, 2015

An einem heißen Augustsamstag Anno 2015 hatte ich als Teil einer Gruppe des Villmarer Kirchenchores die Gelegenheit, an einer Führung durch das Limburger Bischofshaus teilzunehmen. Der von einer Kunsthistorikerin kompetent geleitete Rundgang nahm 1 ½ Stunden in Anspruch und eröffnete interessante und sehenswerte Einblicke in ein Bauwerk, dessen Entstehungsgeschichte und die Amtsführung seines Bauherrn internationales Aufsehen erregt hatte. In gewisser Weise tat es gut, das Anwesen mit zeitlichem Abstand zu betrachten und es kann m. E. als gebautes Psychogramm gedeutet werden. Drei Ebenen des Zugangs zu diesem Bau lassen sich unterscheiden: Auf den ersten oberflächlichen Blick (so äußern es immer wieder Besucher) erscheint dieser in seinen Formen schlicht, ja fast asketisch und bar jeden äußerlichen Prunks. Aber schon bei der etwas näheren Betrachtung fällt die ungeheure Qualität der Materialien und deren Verarbeitung auf – hier wurde in der Tat an nichts gespart. Erst auf der dritten Ebene erschließen sich die zugrunde liegenden Baugedanken, die sich in der Komposition und in verschiedenen Details zeigen. Ein wiederkehrendes Element ist die (maßlose) Übertreibung, die aber zugleich an ihre (räumlichen) Grenzen stößt und Widersprüchlichkeiten offenbart.

Die Führung begann im Vorhof zwischen der restaurierten alten Domvikarie (Haus Staffel, ein gotischer Fachwerkbau mit Steinsockel aus dem späten 15. Jh.) und dem ehem. Küsterwohnhaus (ein Jugendstilgebäude) vor dem wuchtigen Bronzeportal, welches den Windfang des Haupteingangs hofseitig verkleidet. Es zeigt auf den zentralen Türflügeln das Bistumswappen, begleitet auf den festen Elementen v. l. die Bistumsheiligen Katharina Kaspar, Georg, Nikolaus und Hildegard v. Bingen. Das schwere schwarze Gittertor zum Domplatz steht in merkwürdigem Kontrast zum restlichen Anwesen und würde eher zu einem Industriebau passen. In die grauen Pflastersteine des Hofs sind die Namen der Limburger Bischöfe eingraviert. Eine nette Idee, nur fast nicht zu sehen – vielleicht wendet sich dies nur an den aufmerksameren Betrachter.

Über den Neubau und Vikarie verbindenden Flur (Treppenhaus) ging es in den Sekretariatsbereich, wo sofort die ausgesucht edlen Materialien ins Auge fallen – die extrem hohe Qualität der Holzverarbeitung bleibt auch einem Laien nicht verborgen, wie auch die maßlos in die Höhe gestreckten Sonderformate der Türen – selbst zu den Sanitärbereichen. Aber schon an dieser Stelle wird die beklemmende Wirkung der fast vollständigen Überbauung des Geländes offenbar: Der Blick aus den Fenstern fällt entweder auf nahe Wände oder auf die umgebende Mauer. Hier stößt die Maßlosigkeit an ihre Grenzen: Freiräume werden zu erdrückenden Schluchten, die Residenz zum Gefängnis.

Weiter ging es in die Vikarie, die von den ersten Planungen (noch zur Amtszeit von Bischof Kamphaus) an als Amts- und Wohnsitz der Limburger Bischöfe ausersehen war. Es ging nicht zuletzt um den Erhalt und die sinnvolle Nutzung eines wertvollen, das Ambiente des Dombergs prägenden Fachwerkbaus. Im Zuge der weiteren Planungen wurde dieser Gebäudeteil zu den Amtsräumen des Bischofs. Aufgrund starker Bauschäden wurde die Vikarie schließlich völlig entkernt und aus statischen Gründen durch ein „Haus im Haus“ völlig umgestaltet. Dies allein ist in Limburg kein unbekanntes Verfahren und oft der einzig sinnvolle Weg zum Erhalt einer historischen Außenhaut. Hier aber lief es völlig aus dem Ruder: Unter Verwirklichung zeitgemäßer Raumhöhen wurden in das Innere alte Holzbalken integriert, die aber gar nicht aus dem Gebäude stammen, sondern historische Substanz nur imitieren. Dies zieht sich hinauf bis ins Dachgeschoss, wo ein nachgeahmter Dachstuhl ein mittelalterliches Raumgefühl erzeugen soll, das es an dieser Stelle so nie gegeben hat. Der dort vorgesehene Bibliotheksbereich ist aus statischen Gründen nebenbei gar nicht als solcher mit schweren Büchern zu füllen. Die noch weiter oben eingezogene Empore als zusätzlichen Arbeitsplatz (für wen auch immer) möchte ich gar nicht weiter kommentieren. Bei den Fenstern hat man neben der üblichen Doppelung – historisierende Fenster außen, moderne Ausführung im Sinne der Wärmedämmung innen – die Mühe nicht gescheut, die Innenfenster genauso kleinteilig auszuführen (obgleich man es von außen gar nicht sehen würde). Wieder Scheinarchitektur als Programm. Apropos sehen: Alle modernen Fenster in der Vikarie lassen sich auf Knopfdruck blind schalten (Bahnfahrer kennen diese technische Spielerei aus den Glaswänden der ICE-Cockpits). In Wahrheit auch nicht mehr alle, denn die Technik scheint ihre Macken zu haben und fällt gelegentlich aus. Dass es zusätzlich elektrisch fahrbare, durchscheinende Vliesrollos zwischen den Fenstern gibt, die neben Blend- auch Sichtschutz bieten, sei nur am Rande erwähnt. Der Bedienkomfort leidet generell unter Überfunktionalität – einfach mal Licht einschalten? Fehlanzeige! Wirklich gelungen ist aber die moderne Wendeltreppe im historischen Treppenturm, welche die erhaltene alte (aber funktionslos gewordene) Holzspindel umgibt und sichtbar lässt. Die indirekte Beleuchtung der Treppenstufen (Eiche) ist ein wiederkehrendes Element – auch im Neubau.

Dieser wurde nun im Kellergeschoss erreicht, welches in den ursprünglichen Planungen gar nicht vorgesehen war. Insgesamt waren von der Sedisvakanz nach Kamphaus angefangen nacheinander vier Architekturbüros mit den Planungen beauftragt. Der erste Entwurf, von dem später noch zu sprechen sein wird, kannte noch keine Unterkellerung. Unter Tebartz-van Elst sollte sich dies ändern und immer größere Ausmaße (von ca. 200 qm auf ca. 735 qm) annehmen – die einhergehenden Probleme (Unterfangen der Vikarie, Felsausfräsungen) und Folgekosten kann man dem Untersuchungsbericht entnehmen. Beim Übergang in den Neubau wird bei näherer Betrachtung eine weitere Schwäche offenbar: der Hang zur Materialschlacht. Neben das dunkle, polierte Edelholz und den hellen Korallenkalk „Drosselfels“ tritt nun gewachsener Fels, heller Split davor, am Boden Terrazzo und an den Wänden Grauklinker. Alles natürlich vom feinsten, aber irgendwie des Guten zu viel (gut, über Geschmack will ich hier nicht streiten). Die Einbeziehung des Domfelsens war natürlich eine geniale Idee (auch wenn aus Karstklüften stellenweise der Lehm bröckelt), welche im „Konradinerkeller“ gipfelt, wo auf dem Fels die Ruine eines mittelalterlichen Befestigungsturmes (beim Bau zufällig aufgefunden) einbezogen wurde. Die Sitzgruppe darin (lederbezogene Würfel) ist reizvoll – sonstige Sitzgelegenheiten sind aber rar und auf langgestreckte Tafeln beschränkt, die aber freilich eine andere Funktion haben. Die Bequemlichkeit des Mobiliars ist aber wiederum herausragend. Die Reihe der Portraits der bisherigen Amtsinhaber – einschl. TvE noch zu Amtszeiten – sind Kopien der Originale im Ordinariat. Altbischof Kamphaus fällt in der Art der Darstellung wohltuend aus dem Rahmen. Der Konradinerkeller ist übrigens kleiner als die verbreiteten Weitwinkelaufnahmen es suggerieren, aber neben der Kapelle m. E. der schönste Raum des Bischofshauses.

Die nicht zugänglichen Privaträume wurden anhand einer Bildershow vorgestellt – letztlich recht langweilig, da das Inventar in einer Armada von Umzugswagen wegtransportiert wurde. Maßlos aber die Wohnfläche von mehr als 280 qm auf zwei Etagen. Die engen Freiflächen erlauben nur wenig Bepflanzung – nüchterne Kiesflächen herrschen hier vor und erinnern (wie das Anwesen insgesamt mit seinen technischen Spielereien) an die „Villa Arpel“ in Jacques Tatis „Mon Oncle“ – eine übertechnisierte Wohnmaschine mit einem Designergarten und Spalierbäumchen (diese finden sich an der Wand des angrenzenden Diözesanmuseums). Auf einen kleinen Freiraum der Südseite zwängt sich ein schlanker Baum aus der Familie der Robinien, der nicht ganz jung ist und mit ziemlichem Aufwand hierher verpflanzt worden sein muss. Ein Mitbringsel aus dem Heiligen Land ist ein kleiner Olivenbaum auf der Nordseite(!), dessen Überleben im mitteleuropäischen Winter er – wie es heißt – einer Wurzelheizung verdankt. Nun ja, vielleicht gibt ihm die Klimaerwärmung eine Chance bei steigenden Stromkosten. Der von den öffentlichen Räumen kaum einsehbare kubische Koiteich (ohne Kois) vor der Nordmauer ist unspektakulär und hier lieblos eingezwängt (ähnelt mehr einem Wassertretbecken) – kaum zu glauben, dass hier der Wert eines Reihenhauses verbaut wurde. Bleibt noch zu erwähnen, dass im Bereich der Garderobe und WCs für die Besucher mit Edelholz nicht gespart wurde. Im Kellergeschoss wurden noch ein Zimmer und ein kleines Apartment für Gäste untergebracht.

Es ging wieder hinauf ins Erdgeschoss in das Foyer. Wer dieses als wichtiger Gast durch den Haupteingang betreten darf, schaut zuerst auf eine wunderschöne romanische Sitzmadonna mit dem Kinde vor einem konkaven mattschwarzen Monolith als Hintergrund. Auf der konvexen Rückseite ist quasi als Gegenbild der Hl. Antonius (ebenfalls mit Jesuskind) zu finden. Was der Bodentank mit Steckdose (wenn auch in edler Ausführung mit Metallklappe) direkt vor der Madonna zu suchen hat, erschließt sich vielleicht nur dem Fachplaner Elektro. In Wandnischen links und rechts (die sich rechts zu Durchbrüchen öffnen) ruhen vier weitere Heiligenfiguren – merkwürdigerweise auf hier glänzendschwarz gefassten Konsolen. Der Goldhintergrund der Figuren links ist ein weiteres Beispiel für mangelnde Kunst der Beschränkung. Überhaupt die Kunst … aus dem Depot des Diözesanmuseums hervorgeholt oder von Gemeinden „auf Anfrage“ erworben und – wie auch wertvolles historisches Mobiliar – durchaus sehr geschmackvoll in der nüchternen Architektur inszeniert, ist sie doch letztlich sowohl der liturgischen wie der musealen Funktion entzogen. In den öffentlichen Bereichen mag dies vertretbar sein – je weiter es aber hiervon weggeht, umso befremdlicher wird es. Ganz abgesehen von konservatorischen Fragen. Generell ist auch eine Tendenz zur Überrestaurierung festzustellen und darin eine Art Furcht vor dem unvollständigen, beschädigten und verletzten. Willkommen in der heilen Welt des Tebartz-van Elst. Wer authentische Kunst sehen will, muss nach nebenan ins Diözesanmuseum gehen.

Vom Foyer öffnet sich der Blick ins zentrale Atrium mit Doppelsäulen – hier handelt es sich um den größten Freiraum des Anwesens, der dennoch etwas zu klein geraten ist, was die gestreckten Proportionen des Umgangs noch verstärken. Der Korallenkalk leidet übrigens schon sichtbar unter der Witterung und bröselt vor sich hin – Lahnmarmor (der ganze Domfelsen besteht daraus) wäre robuster. Der zentrale Brunnen in Bronze zeigt symbolisch die vier Evangelisten und darüber schwebend den heiligen Geist in Taubengestalt. Das von Schale zu Schale (dank Heizung auch im Winter) immerwährend fließende Wasser soll die Weitergabe der „Frohen Botschaft“ von Generation zu Generation illustrieren, hat aber seit längerem diese Funktion (warum auch immer) ebenfalls ganz zeichenhaft eingebüßt.

Nach diesem Menetekel stand der Besuch der monolithisch schwarz aufragenden Kapelle an, deren äußeres Erscheinungsbild ja in der Domstadt kontrovers diskutiert wurde. Die Ästhetik erinnert (wie auch historisches Mobiliar bzw. Kunst) ein wenig an eine Mischung aus Kubricks „2001“ und dem Domizil eines James-Bond-Bösewichts. Ein Geniestreich ist aber in der Tat die Blickbeziehung vom Atrium über die Vikarie zur Westfassade des Doms und die Art, wie die Kapelle die Dachform der Vikarie aufnimmt. Über das Material – ein fast schwarzes mit Glimmer durchsetztes plutonisches Gestein (Grabbo) aus Simbabwe(!) mit dem schicken Namen „Nero assoluto“ – kann man geteilter Meinung sein. Die Villmarer Choristen fanden es bei näherer Betrachtung im Sonnenlicht jedenfalls mehrheitlich auch ganz schick. Der Heilige Geist scheint dies anders zu sehen: die Limburger Stadttauben verleihen dem Dachfirst ein helles Fleckenmuster.

Die Kapelle – m. E. der am besten gelungene Teil des Ensembles, nicht zuletzt der schmalen Schreiter-Fenster wegen. Aber auch dieser Raum ist nicht frei von Geschmacklosigkeiten im Detail in Gestalt vergoldeter Barockleuchter (die silbern sein müssten) und das Reliquienfenster des Altars entwerten. Aber gut – auf diesem verfeinerten Niveau wollen wir nicht meckern. Kommen wir zur bemerkenswerten, ja geradezu phänomenalen Akustik (der Chor musste diese gleich mal durch den Vortrag des „Alta Trinita“ testen)! Klangschön, aber im Verhältnis zum Raum durch akustische Tricks auf Kathedralverhältnisse gebracht – man betritt ein akustisches TARDIS. Im Gegensatz dazu wirkt der Innenraum durch die konturenarmen weißen Wände innen kleiner als er ist, obgleich seine übersteigerten 11 m Höhe mit den größeren Landkirchen (z. B. Villmar mit 11,1 m Gewölbehöhe) des Bistums konkurriert. Die nachträglich eingebaute Adventskranzaufhängung stört übrigens die Optik der Decke empfindlich.

Das nächste Beispiel findet sich gleich im gegenüberliegenden Emmaussaal (benannt nach dem Barockgemälde an der Stirnseite, die Trapezform seines Grundrisses geschickt perspektivisch ausnutzend), der als Konferenzraum oder für ein repräsentatives Dinner angelegt ist. Der Tisch darin ist aus einem massiven Walnussstamm (in vier Teilen) gefertigt und auf Hochglanz poliert – nur ist die ganze Pracht unter einer schützenden Tischdecke verborgen und so den Blicken der Nutzer entzogen.

Vom Atrium aus bekommt man auch einen guten Überblick über die zugrunde liegende Bauidee. Die Hauptachse der Gesamtanlage zieht sich vom Bronzeportal über den zentralen Brunnen zur einer schwer ausgeführten Doppeltür, die antikisierend von vier Nischen flankiert wird, von denen die inneren beiden je eine kleine Skulptur aus grauem Wirbelauer Lahnmarmor tragen (ob in den äußeren etwas fehlt, blieb mir unklar). Und diese Tür als Fluchtpunkt der ganzen (Selbst)inszenierung führt direkt in die Privatgemächer des Bischofs! Die Kapelle ist auf die Seite gedrängt, auch wenn sie nach außen hin optisch dominiert. Es wird deutlich gemacht, wer hier wohnt und auf wen der Bau bezogen ist. Die Trennung von Privatperson und Amt ist dabei völlig aufgehoben, ja geradezu invertiert. Dies ist baulicher Ausdruck eines Amtsverständnisses, an dessen Auswirkungen nicht nur das Bistum heute noch leidet.

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf den ersten Bauplan aus der Zeit der Vakanz, bevor Tebartz-van Elst die Bauregie übernahm. Hier wurde auf nicht einmal einem Drittel der Gesamtfläche (einschl. Vikarie und Küsterhaus) ein „El Escorial“ en miniature entworfen mit einem Atrium zwischen den beiden Bestandsgebäuden, in dessen Mittelachse ein „Oratorium“ (Hauskapelle) vorgesehen war. Dahinter die bischöfliche Wohnung in bescheidenen Ausmaßen. Die gesamte Neubaufläche hätte knapp 150 qm betragen (kurioserweise wurde dieser Entwurf in der Öffentlichkeit als zu kostspielig kritisiert). Verwirklicht wurden am Ende ca. 1300 qm Neubau in Form eines misslungenen Versailles, das zwar die Wohnung des Hausherrn ins Zentrum rückt, aber dennoch absurderweise in Klostermauern eingezwängt ist. Da für einen Privatgarten kein Platz mehr blieb, wurde der gerade erst fertig gestellte „Mariengarten“ hinter dem Diözesanmuseum wieder platt gemacht und dem Neubauprojekt zugeschlagen – in Form eines Designergartens, wo Hochbeet-Rasenflächen sich nun hartnäckigen Angriffen des Gemeinen Löwenzahns zu erwehren haben. Am Rande sei erwähnt, dass für den vom Hausherrn gewünschten Durchgang zum Garten durch das Museum, dessen Sicherheitstechnik aufwändig modifiziert werden musste.

Fazit: Ein durchaus sehenswertes Gebäude, das viel über seinen Bauherrn aussagt. Auch wenn (bis auf Ausstattungsgegenstände) weitgehend schnörkellos, ist das Bischofshaus vom barocken Geist der Übertreibung durchdrungen – so würde ein Fürstbischof sich heutzutage inszenieren (und die Kardinaltugend des Maßes ignorieren). Ein Besuch – am besten unter fachkundiger Führung – ist zu empfehlen und durch das bloße Betrachten von Fotos nicht zu ersetzen.

 

Abschlussbericht zum Bau und dessen Finanzierung:
https://www.bistumlimburg.de/fileadmin/redaktion/Portal/Meldungen/2014/Sedisvakanz/Abschlussbericht__Endfassung_14_02_2014_docx_Stand_25_3_20-205_INT-dbk.pdf

Bilder und Videos des Bischofshauses:
https://www.bistumlimburg.de/bischofshaus.html